Resonanz

Friederike kommt leise herein.
Ihre Schritte kaum hörbar.
Ein Blick auf meine Hände.
„Du hast es wieder getan!“
Kein Vorwurf.
Nur ein Blick, der spürt, wie sich etwas löst.

Draußen zieht der Wind an den Bäumen.
Ein Blatt löst sich, taumelt ins Offene.
Ein Ausschnitt: ein Augenblick.
Alles davor, alles danach, bleibt ungeschrieben.
Wir leben in solchen Splittern.
Denken in Fragmenten.
Den Scherben eines größeren Denkgefühls.

Sie tritt näher.
„Vielleicht“, sagt sie und ihre Augen sind weit,
„ist jeder Mensch so ein Ausschnitt.
Ein Stück aus einem größeren Wesen.
Wir tragen das Ganze in uns, auch wenn wir es nicht sehen.“
„Also?“, fragt sie.
„Fertig mit der Kunst?
Ich zucke mit den Schultern.
„Ich weiß nicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“
Sie grinst.

Das Gespräch bleibt im Raum hängen.
Ich drehe mich um.
Beginne eine neue Teeschale.

Ich habe in all den Jahren viele Keramiken gemacht.
Sie stehen da.
Sauber.
Still.
Unberührt.

Kein Riss.
Kein Zufall.
Kein Trost.

Sie sind tadellos.
Und genau das ist ihr Problem.

Sie kommen ins Regal.
Stehen dort im Licht.
Warten auf dieses kleine Ziehen im Bauch, das sagt: Ja.
Es kommt nicht.

Ich könnte sagen:
Nicht gelungen.
Ich könnte sie zerschlagen.
Mach ich nicht.

Ich lasse sie stehen.
Wochenlang.

Vielleicht ist das der eigentliche Fehler:
Nicht der Bruch.
Nicht das Scheitern.
Sondern das glatte Durchkommen.

Ein Gefäß, das alles richtig macht, ist langweilig.
Gleichgültig.

Ich verschenke sie dann und wann.
Ohne Geschichte.
Ohne Hoffnung.

Manche Dinge wollen einfach nur weg.

Aber:
Manchmal findet man auch etwas,
das eigentlich niemand mehr sucht.

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