Friederike lehnt sich vor.
Sie beachtet kaum das Äußere des Gefäßes.
Ihr Blick fällt hinein.
„Du konstruierst Wände für etwas, das nicht dir gehört“, sagt sie. „Für das Nichts.“
Ich nicke.
Wir schweigen.
Form trägt.
Leere hält.
Das Wesentliche sammelt sich im Offenen.
Tee fließt nur dorthinein, wo Platz bleibt.
Der Sinn eines Gefäßes wohnt im Freigelassenen.
Mir kommen Meeresküsten in den Sinn.
Oder Wälder.
Überall Senken und Mulden, in denen sich das Wasser sammelt.
Der Raum im Becher ist so ein Ort.
Er gehört nicht mir.
Ich habe ihn nicht erfunden.
Ich habe ihn freigelegt.
„Ein Gefäß darf sich nicht aufdrängen“, sagt Friederike.
„sonst traut sich der Tee nicht hinein.“
Sie grinst schon wieder.
Ich fülle den Becher.
Die Flüssigkeit zögert einen winzigen Moment.
Dann schmiegt sie sich ins Nichts.
Wie in ein Nest.
Man hört es kaum.
Ich genieße den Tee in kleinen Schlucken.
Friederike lächelt. Schaut mir in die Augen.
„Jetzt erfüllt der Becher seinen Zweck“, sagt sie.
„Und verliert ihn zugleich.“
Sage ich und trinke den letzten Schluck.
Später,
irgendwann gegen Abend,
sehe ich den leeren Becher auf dem Tisch liegen.

Etwas hat sich verschoben.
Ich lasse es so.
(Torsten Gripp)

Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.