Resonanz II

Ich setze mich wieder an den Tisch.
Friederike setzt sich gegenüber, die Knie leicht angezogen.
„Hörst du?“ fragt sie.
Ich nicke.
Es ist kein Geräusch, eher ein Ziehen, ein Nachschwingen.
Ein Tropfen Wasser vom Rand der Glasur rollt kaum hörbar ab.
Wir folgen ihm mit den Augen, ohne zu greifen.

„Und die Fotos?“
Sie blickt auf den Stapel.
„Sie fangen es ein, aber nicht alles. Sie lassen viel offen. Genau wie du.“
Es ist genug, dass wir beide es spüren.
Dass das, was wir nicht sagen, an Ort und Stelle bleibt.

Sie steht auf, geht ans Fenster.
„Es ist so“, sagt sie leise, „manches bleibt nur im Zwischenraum.“

Ich folge ihrem Blick.

Die Sonne bricht durch die Wolken, wirft Licht auf die Keramik, auf die Fotos, auf den Tisch. Ein winziger, flüchtiger Glanz, und trotzdem reicht er, um alles zu ändern.

Draußen, im Sonnenschein, bewegt sich der Wind.
Ein Blatt trotzt dem Spiel aus Licht und Bewegung.

Wir sitzen wieder.
Die Keramik, die Fotos, der Tisch. Alles ist verwoben.
Ein Moment des Lauschens, des Schauens, des Atems.
Ich greife nach einem Becher.

Er wackelt kaum merklich, als wollte er mir etwas erzählen.


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